Schaufenster Medienraum

Die zweite Wettbewerbsaufgabe umfasste die Gestaltung des multifunktionalen Medienraums an der Nordseite als außenwirksames „Schaufenster“ des Museums. Ausgangspunkt für die Entwürfe konnte eine kritische Auseinandersetzung mit der Kunst des 20. Jahrhunderts, mit der Kunstinstitution „Nationalgalerie“ oder dem Verständnis des Museums als ein offenes Haus, an dem gesellschaftlich relevante Themen diskutiert werden, sein.

Der erstplatzierte Entwurf

„In the hands of Morpheus“ von Cyprien Gaillard bringt die Bronzeplastik einer schlafenden Punkerin von Ludmila Seefried-Matějková zurück nach Berlin, nachdem sie von 1994 bis 2015 vor einem Berliner Bezirksamt stand. Nun findet die „Schlafende“ ihren Platz auf der Freitreppe des „berlin modern“, vor einem Werbemonitor. Videostele und Skulptur bilden ein Ensemble, wie man es aus dem Stadtraum kennt.

Spekulationen zur Gedankenwelt

Der Monitor, der als Medium die Öffentlichkeit mit Erzeugnissen aus der Werbeindustrie versorgt, zeigt zufällig aufeinanderfolgende Videoclips: historische und zeitgenössische Aufnahmen Berlins, Archivmaterial oder vom Künstler selbst gefilmt, und abstrakte Animationen spekulieren über die Gedankenwelt der Figur: Ist es der Traum der Schlafenden oder eine psychedelische Reise? Die Installation ist ein videografisches Nachdenken über das Träumen und den geteilten öffentlichen Raum an der Schwelle zur digitalen Welt. Darin schließt die Installation an das Nachdenken der Surrealist*innen über dasselbe Thema an, bezieht sich also auf einen Sammlungsschwerpunkt des Museums und entwickelt diese Themen im 21. Jahrhundert fort.

Das Konzept führt den Stadtraum nah an den Museumsneubau heran

Die Jury würdigte das „schlüssig durchdachte Konzept, das den Stadtraum nah an den Museumsneubau heranführt und einen sozialen, interaktiven Raum um die Installation herum schafft. Die Kombination aus bewegten Bildern mit Fernwirkung und stiller, intim anmutender Skulptur wird als gelungene Komposition beurteilt.“ Nicht zuletzt überzeugen die vielschichtigen Interpretations- und Assoziationsmöglichkeiten der Installation mit der Motivwelt des Schlafs und Träumens, des Zugangs zu verborgenen Orten sowie der Grenze zwischen innen und außen.

Cyprien Gaillard

Cyprien Gaillard (geboren 1980 in Paris) arbeitet mit einer Vielzahl von Medien, darunter Film, Video, Fotografie, Collage, Installation und Live-Performance.  Sein außergewöhnlicher Kosmos gibt Phänomenen wie dem zivilisatorischen Umbruch und der geologischen Zeit eine neue Form. Der in Paris und Berlin lebende Künstler beschäftigt sich mit den Trümmern der Moderne und den Überschneidungen zwischen menschli-chen Artefakten, urbaner Geografie und Psychologie. Sein Werk umfasst eine Poesie der Entropie, die die Geschichte neu ordnet, um ein neues Licht auf die Gegenwart zu werfen. Seine Arbeiten zeigte er zuletzt in Einzelausstellungen im Palais de Tokyo (2022), Lafayette Anticipations, Paris (2022), Mori Art Museum (2021), TANK Shanghai (2019); Accelerator Konsthall, Stockholm (2019); Museum Tinguely, Basel (2019); K20-Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (2016); Julia Stoschek Collection, Düsseldorf (2015); MoMA PS1, New York (2013); Hammer Museum, Los

Angeles (2013); Fondazione Nicola Trussardi, Mailand (2012); Schinkel-Pavillon, Berlin (2012); Centre Georges Pompidou, Paris (2011); KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2011) und der Kunsthalle Basel (2010). Bedeutende Gruppenausstellungen umfassen die 58. Venedig Biennale (2019); Triennale von Cleveland (2018); Martin-Gropius-Bau, Berlin (2018); Fon-dation Louis Vuitton, Paris (2018); ARoS Triennale, Aarhus (2017); The Red Brick Art Museum, Peking (2017); Hirshhorn Museum und Skulptu-rengarten, Washington, DC (2017); Hayward Gallery, London (2016); 13. Biennale de Lyon (2015); 54. Venedig Biennale (2011); Gwangju Biennale (2010) und die 5. Berlin Biennale (2008). Er erhielt zahlreiche Preise wie den Arken Art Prize und den Award for Bester experimenteller Kurzfilm, Melbourne International Film Festival (beide 2016), Preis der Nationalgalerie (2011) und Prix Marcel Duchamp (2010).